Der Limpopo bildet die natürliche Grenze zwischen Südafrika und Simbabwe.

Südafrika

Von Südafrika nach Zimbabwe: Beitbridge (1)

29 Jan , 2023  

Um diese Grenze drehen sich viele Geschichten, es gibt viel Unsicherheit im Netz, widersprüchliche und abweichende Informationen und sogar eine eigene Facebook-Gruppe „Crossing Beitbridge“. Hintergrund ist, dass hier immer das reinste Gewimmel gewesen sein muss. Bisher wurde man wohl von einer zur anderen Baracke geschickt und diverse Schleuser wollten einem „helfen“.

Zu Covid-Zeiten 2020 war temporär der gesamte Übergang geschlossen und dann nur schrittweise wiedereröffnet worden. Im August 2022 sind über 300.000 Lersonen über diesen Grenzübergang). (Die Bauarbeiten waren im Mai 2021 sogar TimesLIVE einen Beitrag wert. Über die Feiertage 2022 war auch deses Jahr wieder extrem viel loas an diesem Übergang. Seit ca. 2020 wird aber auf ZIM Seite eine komplett neue Grenzabfertigungsanlage gebaut (ein 3-Jahres-Projekt, Bild1 Bild2 Bild3 Bild4erste Einweihung war September 2021). Heute ist (fast) nur noch eine einzige große Halle zu durchlaufen. Allerdings wechseln die Positionen der verschiedenen Institutionen scheinbar immer noch. Während wir Instruktionen von September gesehen haben, wo es noch heißt, man müsse bei Schalter #9 anfangen, dann nach draußen zu Containern gehen, dann einen steilen Hügel hinauf um einen Stempel zu bekommen, war das nun doch alles etwas anders. Was nicht heißt, es wäre unkompliziert gewesen. Aber der Reihe nach.

Wir haben uns der Grenze schrittweise genähert und einen letzten Stopp bei Lous Trichardt, oder „Neu-südafrikanisch“ Makhoto eingelegt. Nebenbei gesagt gibt es dort den sehr empfehlenswerten Campingplatz Zvakanaka, nur wenige Kilometer hinter der Stadt. Campen ist nicht ganz billig (wir haben 175pPpN und Paul 85pN gezahlt), aber dafür lohnt es sich unbedingt. Zum einen sind die Plätze sehr liebevoll angelegt und wir konnten auf „Sams“ unterkommen, der einen Blick auf die hauseigenen Felsklippen bot, dazu gibt es auf jedem Platz ein eigenes Bad mit warmer Dusche, Gasherd mit Backofen(!) samt Kochkessel, sowie großem und befestigten Sitzbereich unter einem Regen-/Sonnendach. Zum anderen gibt’s den üblichen Braai-Stellen – hier inklusive ausreichend Feuerholz(!) – in einer nahen Hütte, die „Bullet Bar“ genannt wird, sowohl freies W-Lan(!) – so kein Loadshedding angesagt ist – als auch noch einmal einen Wasserkocher für Tee/Kaffee, einen Kühlschrank mit Eisfach und Getränken (honesty bar) sowie jede Menge gut organisierter Informationen, die von den Besitzern Gail und Al zum Platz, zu den Wanderstrecken, zum Ort – und zur nahen Grenze nach Zimbabwe zusammengetragen wurden (dazu vielleicht später mal ausführlicher). Fazit: sehr empfehlenswert.

Die Strecke von hier nach Norden ist etwa 100 km lang, der erste Teil ist der schönere, es geht durch ein Gebirge mit zwei schon etwas älteren Straßen-Tunneln. Dann kommt man in die Ebene, in der der Limpopo Fluss fließt, der nicht nur der südafrikanischen Provinz den Namen gegeben hat, sondern auch die natürliche Grenze nach Zimbabwe bildet. Der Grenzort Musina hat seit Septeber 2022 eine neue Umgehungsstraße, die unser Tracks4Afrika Navi entsprechend noch nicht gekannt hat. Aber dadurch müssen wir nicht erst noch durch die Stadt fahren, was die Strecke um sicher eine halbe Stunde beschleunigt. Die Umgehungsstraße ist gut ausgebaut und es gibt Ausfahrten mit großen Brücken zur „Old National Road“, die von Trägern in Form von überdimensionalen Händen gehalten werden. Davor und dahinter kommen Hände aus der Erde heraus – vielleicht soll das den Aufbruch von Südafrika symbolisieren, oder die aus Zimbabwe Einreisenden willkommen heißen, allerdings erinnert es mich in der Anspannung vor dem Grenzübergang eher an eine in Beton gegossene Zombieworld. Dahinter kommen Warnschilder, man solle nicht anhalten, Überfallgefahr. Aber man sieht keine Leute. Auf der gesamten Strecke durch Limpopo ist uns vor allem aufgefallen, wie viel Polizei, meist Traffic Police unterwegs ist und Präsenz zeigt.

Der eigentliche Grenzort Beit Bidge, dessen Hauptteil auf ZIM Seite liegt, ist sehr wuselig, viele Trucks stehen herum, viele Leute laufen umher, Taxis (meist mehr und noch mehr heruntergekommene Minibusse) sind präsent. Vorher gibt’s noch eine Tank- und Raststelle, wo wir noch einmal volltanken, für etwas über 24R/L. Das ist zwar in Südafrika recht viel (Durchschnitt bei etwa 22,50R/L, was ca. 1,35€ entspricht) aber in ZIM soll der Diesel vorkurzem noch bei 1,80USD/L gelegen haben und wir verlassen uns besser nicht auf etwaige Preisstürze. Wir hatten auch einen Tipp bekommen, dass hier eine letzte Möglichkeit sei, die überdurchschnittlich vielen hier herumlaufenden Männer auf den Umtausch von Dollars anzusprechen. Aber das ist illegal und wir haben uns ein paar Dollars besorgen können. Auch hoffen wir auf Abhebemöglichkeiten in den großen Städten, für Bulawayo wurde uns eine solche Möglichkeit bestätigt. Sabine will noch einen Kaffee besorgen, ein paar Läden sind da, aber das klappt nicht: die einen haben keinen, bei den anderen ist „die Maschine grad defekt“. Fahren wir also weiter.

Wir fahren in den Grenzbereich rein und parken. Gleich kommt jemand, der uns durch alles führen will, aber wir lehnen das ab und werden dann auch in Ruhe gelassen. Wir kramen unsere Sachen zusammen und gehen zum Zoll.

Hier stellt sich als erstes heraus, dass das Carnet bei der Einreise in ZA nicht richtig abgestempelt wurde. Au weia! Und wir hatten extra am Grenzübergang nachgefragt und sie meinten, das sei nicht nötig. Leider war das nicht korrekt. Es folgt eine Unterhaltung der beiden Zollbeamten, was nun zu tun sei. Leider können wir ihr mangels Sprachkenntnissen nicht folgen. Der eine ist aber entspannt und meint, dann stempeln sie es einfach ab. Der andere kennt sich noch nicht so gut aus, kein Wunder, seit dem 2.1. mit einer größeren Gruppe von Fahrzeugen kam nur am 13. noch eines mit Carnet durch, das sehen wir im Buch, das sie dort manuell führen. Die Südafrikaner müssen ihre Fahrzeuge nicht ausführen, brauchen dafür ein TIP (Temporary Import Permit) in ZIM. Der Mann hat das Buch offenbar noch nie ausgefüllt und trägt einige Daten erst falsch ein. Er fragt dann aber doch nach und korrigiert die „Brand“ in Toyota Hilux, statt irgendeiner Nummer. Dann erklären sie uns sehr ausführlich, dass sie jetzt einen Teil vom Cartnet abreißen müssten, der würde bei ihnen bleiben. Der andere Teil, der jetzt lose ist, sei der für die ZIM Seite. Das ist verwunderlich, denn lose Bätter gibt’s eigentlich nicht, aber wir sind so froh und dankbar, dass sie das so problemlos gelöst haben, dass wir nicht groß nachfragen. Ansonsten bekommen wir den Ausfuhrstempel für das Auto und das lose Stückchen legen wir ins Carnet rein.

Sabine hat für Paul Ausschneide-Sachen mitgenommen und Paul schneidet seine aufgeklebten Tiere aus oder klebt Sticker, die er aus dem Stickerbuch wieder rausholt, mit „Uhu“ (der lokale Schulklebstoff von Bostik aus ZA) auf Karton. Hier war die Ablenkung aber noch nicht so gefragt, denn trotz der Carnet-Probleme sind wir schon nach 10 Minuten wieder draußen. Aber das ist ja erst der Anfang.

Jetzt brauchen wir noch den Stempel von der Immigration, das ist eigentlich etwas weiter rechts im gleichen Gebäude. Allerdings sagen sie uns dort, für die Ausreise sollen wir nach draußen zu einem Container gehen. Oha.

Zum Container muss man also raus aus dem Gebäude und durch einen hohen Maschendrahtzaun, dann durch eine Gruppe anderer Container durch. In einem der anderen steht ein großer Generator und produziert sehr lautstark den Strom, der dann in die Klimaanlagen in den Gebäuden geht. Unser Ziel-Container ist der für die Fußgänger, die auf einem separaten Weg an den Grenzbaracken vorbeilaufen. Hier gibt es einen regen lokalen Grenzverkehr, viele Leute tragen größere Tüten oder Kanister mit sich, die sie drüben brauchen.

Am Container sind zwei Schlangen, nur zwei der fünf Fenster sind für die Abfertigung geöffnet. Auch hier werden wir gleich von Schleppern angesprochen – wir sind auch die einzigen Weißen, die rüber wollen. Uns werden gleich irgendwelche Formulare in die Hand gedrückt, die wir dann brauchen würden. Wenn wir die Leute uns führen ließen, würden sie uns weiterhelfen und sich um alles kümmern, für nur 10 Dollar. Aber auch das lehnen wir ab. (Im Nachhinein stellen wir fest, dass wir die Formulare zwar brauchen, die aber überall herumliegen und man in der Schlange eh warten muss.)

Matz stellt sich an einer Schlange an, Sabine geht mit Paul an die Seite und er klebt Tiere auf. Natürlich geht’s an der anderen viel schneller und bei uns sitzt hinter dem Pass-Loch ein Mann, der nicht ganz so gut drauf zu sein scheint. Also müssen die Pässe aus den Hüllen raus, man muss ihm den Pass weit hineinreichen, damit er – wenn‘s gut läuft – seinen Stempel machen kann, und dann hält er den fertigen Pass nur ein Stückchen rüber, man muss sich anstrengen, den dann wieder zu bekommen. Ein paar Leute vor uns geht er erst mal woanders hin und wir müssen alle warten, aber was soll’s. Wir sehen viele Pässe aus Zimbabwe, manche wohl aus Malawi, einige davon schon sehr abgenutzt und vollgestempelt. Die Leute sind ruhig und äußerlich entspannt, man ist die Spielchen gewöhnt, scheint es.

Als ich dran bin, reiche ich ihm gleich alle drei Pässe von uns ein. Uhoh, was für ein Fauxpas! „Why do I get three when I only see one?!“ werde ich ruppig angefahren. Okay, also erst mal nur meiner, er blättert durch und fragt nach, was denn das für ein Grenzort sei, durch den wir gekommen wären. Offenbar hat er noch nie von Giriyondo gehört und muss das erst mit seiner Kollegin abklären. Okay, das ist ein sehr kleiner Grenzübergang und wie wir gesehen haben, machen die auch nicht alles richtig… Er fragt dann, wo wir hinwollten und ob wir mit dem Auto unterwegs seien. Mir ist nicht klar, warum er das alles wissen muss, aber ich versuch, die Fragen freundlich zu beantworte und bekomme meinen Ausreisestempel. Dass heute der letzte Tag der Gültigkeit des Visums war, hat ihn nicht gestört. Na super, Sabine geht hin und zeigt wieder zwei Pässe, hält dabei aber den Paul hoch, und er lässt das gelten. Dann bekommen auch sie ihre Stempel.

Die Schlepper wollen noch einen Versuch starten und versuchen, mit uns zu argumentieren. Einer, der wohl mit uns dran wäre, meint, die Formulare seien wichtig, einer unterstützt ihn und meint, dass würde alles stimmen. Aber das kann ja alles sein, wir wollten nur ihre Hilfe nicht, würden das alleine machen. Ich gebe ihnen letztlich auch ihre Formulare zurück und sie machen lange Gesichter.

Zurück zum Auto und jetzt fahren wir tatsächlich ins Grenzgebiet. Auf der Straße sind Fußgänger nicht erlaubt, für die gibt es eine eigene Fußgängerbrücke, ein paar Meter weg, da ist auch viel los. Einen Gate Pass haben wir nicht bekommen, den brauchten wir auch nicht, meint der Zoll und verweist auf das Carnet (was auch immer der Zusammenhang da sein soll). Kurz vor der Auffahrt auf die Brücke noch einmal Stau, da kommen von der seitlichen Abfertigung die großen Laster rein. Wir werden zwischendurch zu einem Nebentor gewunken und können an den großen Maschinen vorbei. Dann ein letzter Checkpoint, keiner will noch was von uns, also fahren wir auf die Brücke. Hier sitzen noch ein paar Leute rum und warten auf wer weiß was, dann sind wir im Niemandsland.

Der Limpopo ist breit und führt einiges an Wasser, es ein schöner Ausblick auf den Fluss und die großen Bäume am Ufer. Plötzlich ist es etwas ruhiger, man hört nur die Leute auf der Fußgängerbrücke. Genießen müssen wir den Limpopo ein andermal, wir hatten ihn ja im Krüger Park und in Mozambique (bei Xai Xai) schon gesehen. Wir machen trotzdem ein paar Fotos, denn man hat ja nicht alle Tage so eine Brücke und außerdem wird’s keinen scheren.

Dann sind wir auf der anderen Seite.

(Fortsetzung im 2. Teil)

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