Luftdruckmesser

Lost & found

Luftdruckmesser

16 Jan , 2023  

Auf unserer Reise gehen immer mal wieder Sachen verloren. Das ist kaum zu vermeiden. Aber nicht immer, eigentlich nur in Ausnahmefällen, sind die Dinge dann auch wirklich weg. Oft sind sie nur im großen Auto „untergegangen“ und tauchen wieder auf. In dieser Rubrik stellen wir ein paar Beispiele vor.

Um in den Parks mit dem Auto gut voranzukommen, muss man ab und zu den Reifendruck regulieren. Das haben wir auf unserer ersten Reise 2004 gelernt – „the hard way“:

Damals waren wir mit einem Nissan Hardbody unterwegs, von Deutschland aus über Europcar gebucht. Der war metallic-blau, ein Automatik-Auto und in Sachen Campingausstattung komplett leer. Wir mussten also – außer Zelt und Kochgeschirr – alles Campingzeug, Wasser- und Benzin-Kanister erst besorgen. Verpflegung sowieso. Wir hatten damals schon gehört, dass es sinnvoll sei, vor dem Fahren durch Sand etwas Luft abzulassen, hatten aber keinerlei Idee davon, was genau das bedeuten würde. Und wir sind durchaus durch Sand gefahren. Grundsätzlich war das Auto ja auch gut und stark, so kamen wir oft einfach mit viel Power durch. Sollte es „dicker“ kommen, war unser Trick, es zunächst mit viel Anlauf und Schwung zu versuchen. Der V6-Motor schaffte trotz Automatik (oder gerade deswegen) so manchen Hügel einfach weg. (Von der Sache mit der Batterie können wir ja ein ander Mal berichten…) Wenn der Sand dann doch zu tief war, gab es noch die Steigerung, den Pickup um ein paar Kilo Ladung zu erleichtern, sprich: die schweren Kanister abzuladen. Davon hatten wir 5 oder 6 dabei, zu je 25 Liter, für Wasser und Benzin – also locker über 100kg.

Allerdings half das im Kgalagadi Transfrontier Park dann auch nicht mehr weiter, als wir vom botswanischen Mabuasehube Teil zum südafrikanischen Nossob kreuzen wollten. Ein paar Kilometer vor Nossob muss man durch einen Dünengürtel und die eine Düne war einfach mit einem „pfffffft“ Luft ablassen und Schwung und Abladen nicht zu bezwingen. Es war auch schon spät am Nachmitag und die Sonne ging unter. Das geht hier unten sehr schnell, mit langer Dämmerung ist da nicht viel. Daher mussten wir dann in der Kalahari wild an der Düne campen, allen möglicherweise herumstreunenden Löwen zum Trotz. Am nächsten Tag haben wir‘s dann mit besonders viel Schwung doch noch geschafft – um ein paar Kilometer später einen südafrikanischen Reisenden mit Auto und Anhänger(!) uns entgegenkommen zu sehen, der hatte die Strecke aber schon mal gemacht und war schon wieder auf den Rückweg… Also hatten wir wohl wirklich etwas falsch gemacht.

Später (und mit Unterstützung anderer Reisender – Danke, Wilfried und Anne!) haben wir dann gelernt, wie lange etwa ein „pffffffffffft“ sein muss, um auch Wirkung zu erzielen. Um nun zu wissen, auf wieviel Bar man einen Reifen abgelassen hat, ist ein Luftdruckmesser sehr hilfreich. Die mit Campingausrüstung vollgestopften Pick-ups haben oft einiges an Gewicht und entsprechend muss man aufpassen, die Reifen nicht zu latschig zu machen. Aber es ist bemerkenswert, den Effekt vom Luftablassen zu sehen. Plötzlich hat Schwung im Sand keine Bedeutung mehr, sondern man kann mit den entsprechend „latschigen“ Reifen ruhig durch den Tiefsand „schwimmen“. Natürlich immer in der normalerweise ja schon vorhandenen Spur.

Es gibt allerdings ein paar Dinge zu beachten. Zum einen sollte man das Auto in den Allradmodus schalten (hehe, das war jetzt ein interner Witz). Dann ist es angebracht, den Reifendruck immer mal zu kontrollieren. Zumindest, wenn man noch länger Freude an seinen Reifen haben will. Auf den rauhen Pisten über spitze Felsen und durch dornigen Busch hindurch weiss man nie, wie es den Reifen im Moment geht. Besonders sollte man beim Ablassen vor Sandstrecken den Druck kontrollieren. Wir haben immer wieder gesehen, wie Leute vor Sand einfach mal so per Gefühl Luft rausgelassen haben. Das geht, wenn man Experte ist oder eine Anlage zum Wiederaufpumpen oder Flicken in der Nähe weiß. Für uns war das nichts.

Unverzichtbar Luftdruckmesser (tyre pressure gauge)
Unverzichtbar: Luftdruckmesser (tyre pressure gauge)

Bei uns sind normalerweise etwa 2,8 bis 3 bar auf den Reifen drauf, um auf Teer zu fahren. Für Gravel und andere „dirt roads“, also mit grobem Kies aufgeschüttete oder breit „gegradete“ Pisten um die 2 bis 2,2 bar. Es gibt da sogenannte „Grader“, das sind Spezialfahrzeuge, die unter sich eine Art kleine aber sehr breite und schräg zur Fahrbahn fest angebrachte Kipperschaufel haben, mit der sie die Oberfläche abkratzen und damit –meist– tatsächlich begradigen (Stichwort „Wellblech“). In der Regel graden sie die Piste einmal in jede Richtung, das deckt dann die volle Spurbreite ab. Diese Gefährte haben wir sehr viel in Namibia gesehen, wo es deutlich mehr „dirt roads“ gibt, als beispielsweise in Südafrika. Für das Fahren im Tiefsand muss man noch einmal weiter herunter gehen mit dem Reifendruck. In manchen Nationalparks, deren Strecken durch Tiefsand gehen, wurden extra Schilder aufgestellt, die Hinweise auf den jeweils empfohlenen Reifendruck gaben, sowohl für Autos als auch für die beliebten Trailer (Anhänger, aber das Wort kann die vielen Varianten und das unglaubliche Pi-Pa-Po, das so ein trailer beinhalten kann, auch nicht andeutungsweise beschreiben – dazu später vielleicht mal mehr). Im Namaqua-Park war die Empfehlung 1,4 bar, was schon recht wenig Luft unter’m Auto ist.

Zum anderen sollte man nicht vergessen, nach der Sandstrecke den Reifendruck wieder zu erhöhen. Es ist immer eine Sache der Abwägung, ob noch mal Sand kommt, oder nicht. Aber auf steinigen Pisten mit zu wenig Luft zu fahren, macht schnell die Reifen kaputt. Auch können die großen Dornen (Stichwort „Kameldorn“) sich leichter in die Reifen bohren, weil die weniger geschützten Seiten des Reifens deutlich näher am Erdboden sind.

Allerdings ist das nicht wie mit Schwimmflügeln, die man schnell mal wieder aufblasen kann. Auf unserer 2004er Reise haben wir uns tatsächlich irgendwann eine Handpumpe zugelegt, mit Turbo, versteht sich. 😉 Mindestens einmal haben wir dann auch wirklich alle Reifen per Hand wieder aufgepumpt. Das war trotz guter Pumpe (und Turbo) eine sehr zeitraubende und ziemlich schweißtreibende Angelegenheit.

Bei den späteren Reisen hatten wir meist große Mietautos mit Campingausrüstung und waren immer darauf bedacht, auch einen Kompressor dabei zu haben. Heutzutage sind die bei allen namhaften Anbietern Teil der Standardausrüstung. Und eine wirklich tolle Sache. Seitdem zögern wir kaum noch, irgendwo mal die Reifen abzulassen, denn mit dem Kompressor sind die Dinger ratz-fatz wieder aufgepustet. Dabei sind die Autos meist mit „heavy duty“ Kompressoren ausgestattet, die man nicht einfach an die Batterie anschließen kann. Dazu muss das Auto laufen, sonst ist die Batterie schnell leergesaugt. Der Kompressor hat auch eine Druckanzeige, allerdings ist die mehr als Richtwert zu sehen. Will man wirklich den Druck kontrollieren sollte man sich einen Luftdruckmesser zulegen. Womit wir wieder beim Thema wären.

Reifendruck mit Kompressor anpassen, Richtersveld NP
Reifendruck mit Kompressor anpassen, Richtersveld NP

Natürlich kann man auch an Tankstellen seinen Reifendruck prüfen lassen. Das ist wie in Europa: in einer Ecke steht ein starker Generator und der macht (Luft-)Druck. Aber die Anzeigen der Teile sind noch viel unzuverlässiger, manchmal zeigen sie ein halbes bar mehr an, manchmal genausoviel weniger. Es ist also sinnvoll, mindestens an einem Reifen den Druck nachzumessen, um den Vergleich zum Tankstellen-Druck zu haben. Dann kann man die Werte entsprechend angepasst auf alle Reifen übertragen. Bei uns ist hinten besonders viel Last drauf, daher machen wir 0,2 bis 0,4 bar mehr Druck drauf. Allerdings muss man immer schauen, wie die Tankwarte mit der Kontrolle umgehen. In Keetmanshoop hatte ich dazu eine bemerkenswerte Unterhaltung: Wir lassen den Reifendruck prüfen, ob da 2,8 bar drauf sind. Das Gerät der Tankstelle zeigt 2,4 an und sie erhöht den Druck, dass es bei ihr passt. Ich prüfe nach, und mir werden 3,2 bar angezeigt. Daraufhin eröffnet sie mir, dass mein Gerät wohl kaputt sei. Woher sie das denn wisse, fragte ich und die Antwort war, sie mache das mit den Reifen schon lange an der Tankstelle und kenne sich aus, und ihre Gauge zeige ja den Druck auch richtig an. (Es hat sich noch keiner beschwert!) Wenn mein Teil etwas Anderes anzeige, müssen es ja kaputt sein. Und es klang etwa so, als würde sie sich wundern, was ich denn da für einen Schrott mitgebracht hätte… Ich wollte mich dann nicht auf eine Diskussion über Eichung von Messgeräten einlassen und lobte ihre tolle Technik. Luft aufgepumpt bekamen wir jedenfalls, etwas mehr als genug, aber sei‘s drum. Das haben wir dann ein paar Meter weiter wieder abgelassen.

Als wir nun auf unserer Jahresreise im September aus dem Damaraland nach Outjo kamen, hatten wir gerade einen Reifenschaden gehabt – der war schon etwas abgefahren gewesen und hatte nun die steinige Desolation-Valley Piste vom Huab-Tal nach Norden nicht mehr überstanden. Es hatte ihn tatsächlich komplett geschreddert. Er fuhr seitdem als 4. Passagier auf dem noch freien Platz mit. Nun wollten wir also zur Sicherheit noch mal alle Reifen überprüfen lassen. Wir waren ohnehin etwas angespannt, weil wir die neue Kinder-Kamera von Paul seit unserer Übernachtung in Khorixas nicht mehr gefunden haben – auch dazu später mal mehr. In Outjo haben wir uns dann mit lieben Besuch getroffen, mit dem wir gemeinsam in den Etosha Nationalpark fahren wollten (Fabian und Matze, YAY!). Mit einem Abstecher in die tolle Outjo Bakery samt gutem Kaffee, Pies und Mini-Spielplatz und einem anschliessenden Shopping-Ausflug im Spar gegenüber war es mittlerweile schon recht spät geworden. Die Anfahrt von Outjo bis zum Etosha Park Gate dauert immerhin noch reichlich 1,5 Stunden und danach ist es noch einmal knapp eine halbe Stunde bis zum ersten Camp in Okaukuejo. Wir sind also nur noch schnell mal zum Tanken gefahren und haben den Reifendruck prüfen lassen. Ich habe auch alles mit dem Druckmessgerät kontrolliert – perfekt! Hinterher, als wir schon auf der Zufahrtsstraße waren, war ich plötzlich unsicher, wo der Druckmesser ist. In der Mittelkonsole, wo er hingehört, war er nicht. Auch nicht im Handschuhfach oder so. Uh-oh…! Dann fiel mir zum Glück etwas ein. Wir halten also noch einmal an und ich mache die Motorhaube auf. Und siehe da: Ich hatte ihn auf dem Kühler abgelegt und dann vergessen, ihn wieder mitzunehmen. Die ganze Zeit war er nur von der Motorhaube festgeklemmt gewesen. Aber genau dort lag er tatsächlich immer noch. Er war auch noch funktionstüchtig, da er in einem sehr stabilen Gehäuse steckt, das dem Druck standgehalten hat. Es war auf der Box nicht einmal ein Kratzer zu sehen. Ebenso hätte er auch herunterfallen können und das wäre es dann mit dem Gerät gewesen…

So blieb es bei einem einigermaßen kurzen Schreck über einen Verlust, der durchaus sehr wehgetan hätte. Den Luftdruckmesser haben wir seitdem noch oft eingesetzt und werden ihn sicher auch noch brauchen. Für jede etwas längere Tour mit off-road Anteilen ist ein Luftdruckmesser also ein sehr empfehlenswertes Zusatzgerät. Das gehört nämlich auch nicht zur Grundausstattung von Mietwagen.

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