Nachtarbeit

Südafrika

Load shedding

1 Dec , 2022  

Was wir bisher aus Namibia noch nicht kannten (vielleicht kommt das ja in Deutschland auch noch…?!), ist in Südafrika an der Tagesordnung: Load shedding. Man kann dazu auch “kontrollierte Stromausfälle” sagen. Auf einem Campingplatz wurden wir mit “Welcome to dark Africa” begrüßt – da gab es grade keinen Strom.

Was bedeutet Loadshedding? Einfach gesagt, es gibt eine angekündigte Stromabschaltung für ein ganzes Gebiet. Die dauert normalerweise 2 Stunden plus etwa 30 Minuten, bis alle Teile wieder hochgefahren wurden. Wer wann Loadshedding hat, kann sichbei der entsprechenden Gemeinde erkundigen, es gibt aber auch viele Apps, beispielsweise den “Load Shedding Notifier“, der die Zeiten für eine bestimmte Gegend anzeigt. Inzwischen wurde das Loadshedding in acht verschiedene Stages aufgeteilt, die sich in der Menge der einzusparenden Megawatt unterscheiden. Für die Anwohner äußert sich das darin, dass die Anzahl der Abschaltungen innerhalb von 4 bis 8 Tagen variiert, also beispielsweise 8x für 2,5h innerhalb von 4 Tagen oder 4x für 4,5h innerhalb von 8 Tagen. Das Ganze ist – zumindest für uns – schwer zu durchschauen, daher nutzen wir einfach eine App.

Loadshedding App
Loadshedding App

Ist man gerade in einem Gebiet “mit ohne Strom”, geht in der Regel nicht viel – Wasserpumpen tun nicht, daher gehen die Duschen nicht, Warmwasser gibts nicht, denn die Gasthermen zünden meist elektrisch, Internet geht nicht, denn die Router brauchen Strom.

Warum gibt es überhaupt Loadshedding? Der wesentliche Hintergrund für die “South African energy crisis” ist die lange Vernachlässigung der Infrastruktur und eine fehlende alternative von ökologischer Energiegewinnung. Noch heute werden über 80% des südafrikanischen Stroms aus Kohle erzeugt, auch werden größere Mengen Strom exportiert. Der größte Stromerzeuger der Landes ist die staatliche Eskom (1923 als Electricity Supply Commission gegründet), der größte Stromerzeuger auf dem afrikanischen Kontinent. Es wurden Pläne erarbeitet, um den Anteil erneuerbarer Energie siginifikant zu steigern, aber bis das umgesetzt ist, wird es noch etwas dauern.

Mit der gezielten Abschaltung von Strom ist Südafrika nicht alleine, Loadshedding praktizieren erstaunlich viele andere Länder, siehe auch “Load shedding: How SA compares with the rest of the world“.

Ein Ende der Energiekrise ist derzeit kaum absehbar. Dafür sind Verschuldungen und infrastrukturelle Probleme zu groß und dauert der Aufbau funktioniertender Alternativen zu lange. Schon jetzt wird davon ausgegangen, dass sich die Probleme eher noch verstärken werden und das Loadshedding bis (mindestens) 2027 andauern wird.

Was bedeutet das für uns Reisende? Eher nicht so viel. Wir müssen uns mit den Loadshedding Zeiten arrangieren und halt mal für ein paar Stunden das Aufladen der Batterien und den Zugang zum Netz aussetzen. Die Einheimischen mussten sich viel stärker anpassen, denn in der Zeit kommt man oft nicht an Geld (ATM’s fallen meist auch aus) und kann man oft nicht mit Karte bezahlen. Wer es sich leisten kann, hat in alternative Backupsysteme investiert, größere Hotels, Krankenhäuser und sonstige Einrichtungen haben in der Zeit oft (Diesel) Generatoren laufen.

Viele Südafrikaner nehmen das shedding aber mit Humor, und versuchen, die guten Seiten darin zu sehen: Man schaut wieder in die Natur, denn die ganzen elektronischen Geräte sind aus, wer Sterne schauen will, wird plötzlich von einem noch viel stärker sternenübersäten Himmel beglückt, weshalb Hobby-Astronomen das shedding (abends) super finden – keine light pollution! Die gesammelten Listen von positiven Aspekten nehmen ganze Seiten ein, beispielsweise “Making the most of load shedding“. #98: “We’re forced to become more solution-based than problem-based.” oder #51 “Get over the “in a hurry” mindset”. #39 “Back to reality – all human beings are equal”. #40 “Breaks down class differences”. #26 “Read books and give our kids a love of reading”. #2 “Spend more time connecting with family and friends”.

Wir können viel von Afrika lernen.

,

By



Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.